In Salzburg traf sich einmal mehr das KRAISBAU-Konsortium aus 32 Unternehmen und Institutionen, um gemeinsam die Fortschritte des Projektes zu analysieren und zu diskutieren. Im Fokus standen dabei die Berichte aus den verschiedenen Arbeitspaketen, die KRAISBAU-Stakeholder-Map und das neue KRAISBAU-Narrativ, das helfen soll, aus den vielen unterschiedlichen Aktivitäten rund um KRAISBAU eine gemeinsame Erzählung zu formen.
Vorausgegangen war eine ganze Reihe von Arbeitstreffen, bei denen Informationen, Geschichten und Meinungen aus dem Konsortium gesammelt und besprochen wurden. Im Zentrum stand dabei die Frage nach der gemeinsamen Vision, die auch ausdrückt, wie groß die Ambitionen und Ansprüche sind. Letztlich haben wir festgestellt, dass wir uns mit nicht weniger als 100% Circularity in der Baubranche zufriedengeben wollen.
Klar ist, 100% lässt keinen Spielraum für Kompromisse oder Ausnahmen, die es möglicherweise an der einen oder anderen Stelle aber (vorläufig noch) brauchen wird. Dennoch gibt uns diese Vision eine gemeinsame Richtung und ein Ziel vor. Je näher wir dieser Idealvorstellung kommen, umso besser. Aufhalten lassen wollen wir uns dabei ohnehin nur durch physikalische Grenzen, die es aber erst noch zu finden gilt. Alles andere - ob Normen, Gesetze oder menschliche Vorstellungskraft - sind Grenzen, die bewegt werden können und die es zu bewegen gilt.
KI macht Kreislaufwirtschaft zur kostenoptimalen Lösung - davon sind wir überzeugt. Es sind die raschen technologischen Fortschritte, die dem zirkulären Ansatz auch ökonomisch zum Durchbruch verhelfen werden. Deshalb ist auch jetzt der richtige Zeitpunkt, um das Thema “zirkuläre Baubranche” anzugehen. Durch die Kombination aus modernster Sensorik und AI-Analysen lassen sich Gebäudedaten in Rekordzeit erheben. Aus Punktwolken werden schnell und effizient nutzbare 3D-Planungsmodelle. Nicht nur die Erfassung der vorhandenen Materialien, sondern auch Konzepte, wie diese am Besten in die Wiederverwendung gelangen, lassen sich weitgehend automatisieren. Wie weit diese Automatisierung gehen kann, ist ein Teil der Fragen, die wir mit KRAISBAU behandeln.
Jedoch - allgemeine Überschriften allein bringen uns noch nicht weiter. Wir wollen deshalb die verschiedenen Lebensphasen eines Gebäudes betrachten und in jeder Phase das Beste rausholen. Daher haben wir auch für jede Lebensphase eine eigene Vision formuliert, die ausdrückt, was wir erreichen wollen.
Think Big, Circular und Together - das gilt zwar für jede Lebensphase von Gebäuden, ist aber gerade bei der Wahl der richtigen Strategie von besonderer Bedeutung. Gleichzeitig soll es aber in Zukunft nicht länger visionäres Denken erfordern, ein zirkuläres Projekt zu initiieren. Deshalb wollen wir gerade für die Initiierungsphase Circularity zur bequemsten Option machen. Auch in der Planungsphase soll Circularity die Norm und nicht die Ausnahme werden. Viel hängt dabei auch von der Bauherrschaft ab. Die ausführenden Unternehmen sollen zu zirkulären Möglichmachern der Ausführungsphase werden. Für die Nutzungsphase von Gebäuden gilt länger, besser, anders und nochmal nutzen. Rückbau und Neubau sollten in Zukunft zum Plan B oder eher zum Plan E werden. Aber auch für den Rückbau brauchen wir Pläne und Konzepte - und eine Vision. Unsere Vision ist dabei der Rückbau ohne Abfall. Möglich ist das allemal, sind doch die nötigen Methoden und Technologien bereits heute vorhanden, mit denen sich rund 99% des Bauschutts in eine Wiederanwendung bringen lassen.
In den kommenden Monaten und Jahren gilt es nun, diese Visionen mit Leben in Form konkreter Projekte und Erfolge zu füllen. Erste Ergebnisse konnten bereits im Rahmen der Generalversammlung vorgestellt werden- etwa die Abtrennung von Ziegelsplitt aus Bauschutt, um die Qualität von Recyclingbeton zu erhöhen und den Ziegelsplitt in eigene Anwendungen zu bringen. Ebenfalls in Arbeit sind Analysen zur Qualität gebrauchter Ziegel sowie verschiedene AI-Anwendungen zur automatisierten Analyse des Gebäudebestandes.
Abseits der Fortschrittsberichte und der gemeinsamen Vision haben wir auch an der KRAISBAU-Stakeholder-Map gearbeitet. Sie soll in Zukunft einen Überblick liefern, wo in Österreich und darüber hinaus Expert:innen und Expertise zu finden sind. Dazu haben wir von allen Teilnehmer:innen der Generalversammlung Namen und Daten zu Personen gesammelt, die Teil dieser Landkarte sein sollten. Die Stakeholder-Map ist Teil unseres KREISBAU-Ziels, der Baubranche die nötigen Grundlagen für zirkuläres Bauen bereitzustellen.