Von: Impact Redaktion
Wiederverwendbare Gipskartonplatten, modulare Holzbausteine, 2nd Hand Fliesen - so sehen zirkuläre Lösungen aus, die bereits heute am Markt erhältlich sind. Innovative Unternehmen wie Sedlak, TRIQBRIQ oder Concular haben längst gezeigt, dass zirkuläre Geschäftsmodelle in der Baubranche erfolgreich sein können. Jetzt gilt es, den nächsten Schritt zu gehen, um diese neuen Lösungen aus der Nische in die Breite zu bringen. Dazu braucht es Investitionen.
Beim KRAISBAU-Finanzierungsdialog kamen daher Vertreter:innen der Bau- und Finanzbranche, Expert:innen und Forschende zusammen, um die größten Hürden und besten Hebel zur Finanzierung der Bauwende zu identifizieren. Bereits im Vorfeld des Dialogs haben 18 Expert:inneninterviews gezeigt, dass die Hürden weniger auf der technischen Ebene, sondern vor allem in den Markt- und Bewertungsstrukturen zu finden sind.
Um die Bremsen für Investitionen in die Bauwende zu lösen, können fünf mögliche strategische Hebel diskutiert werden.
Verbaute Materialien besitzen einen wirtschaftlichen Wert. Um diesen sichtbar und bewertbar zu machen, sind Informationen über Zusammensetzung, Menge, Alter, Zustand und Rückbaupotenziale erforderlich. Digitale Materialpässe können dabei helfen, indem sie relevante Gebäudedaten über den gesamten Lebenszyklus verfügbar machen.
Mit der geplanten OIB-Richtlinie 7 „Nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen“ werden zudem künftig Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und Kreislauffähigkeit erstmals systematisch im österreichischen Baurecht verankert. Für Banken und Investor:innen entstehen dadurch zusätzliche Grundlagen für die Bewertung von Gebäuden.
Die Erfassung und Quantifizierung von Materialwerten ist nur der erste Schritt. Langfristig können diese Informationen auch in die Bewertung von Immobilien und Portfolios einfließen. Voraussetzung dafür sind transparente Datengrundlagen, standardisierte Bewertungsmethoden sowie anerkannte Nachweis- und Zertifizierungssysteme.
Die Wohnbauförderung zählt zu den wirksamsten Steuerungsinstrumenten im österreichischen Bausektor. Werden Fördermittel künftig stärker an Kriterien wie Rückbaubarkeit, Re-Use-Quoten oder den Einsatz von Sekundärbaustoffen geknüpft, würde dies die wirtschaftliche Attraktivität von kreislauffähigen Bauweisen erhöhen.
Haftungsrisiken sind ein wesentliches Hemmnis für den Einsatz von Sekundärbaustoffen und wiederverwendete Bauteile. Um diese zu senken, werden standardisierte Zertifizierungen, Materialpässe und passende Versicherungsprodukte benötigt.
Die Finanzierung zirkulärer Gebäude erfordert einheitliche Bewertungsstandards. Dazu sollten Faktoren wie Rückbaubarkeit, Re-Use-Potenziale, Materialpässe und Materialrestwerte auch in Risikobewertungen einbezogen werden. Life Cycle Cost Analysen (LCCA) können dabei helfen, den Wert und die Kostenentwicklung eines Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus transparenter darzustellen.
KI als Enabler
Ein weiterer, technologischer Hebel für die zirkuläre Bauwende ist der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Schließung von Datenlücken. Mit KI-gestützten Tools lässt sich die Erstellung Digitaler Zwillinge entscheidend beschleunigen. Im Rahmen von KRAISBAU arbeiten verschiedene Konsortialpartner an den einzelnen Schritten, die dafür notwendig sind.
So befasst sich Joanneum Research Digital mit Fragen der Bauelementerfassung. Wie sich Gebäudemodelle mit zusätzlichen Daten automatisiert vervollständigen lassen, ist eine Forschungsfrage bei Fraunhofer Austria. Die notwendige Datengrundlage wird unter anderem durch neue Sensorik und Software geliefert, die nahezu in Echtzeit Punktwolken von Objekten erzeugt. Die Erfassung und Verarbeitung dieser Daten ist eine Kernkompetenz des Unternehmens Cloud NYNE. Auch an automatisierten Taxonomie-Prüftools für Einreichunterlagen wird im Rahmen von KRAISBAU gearbeitet.
Martin Ramsauer (ÖGNI) betonte die Rolle der EU-Taxonomie als Hebel für bessere Finanzierungskonditionen. Zwar ist die Taxonomie ein Klassifizierungssystem und keine gesetzliche Pflicht, sie wirkt jedoch wie ein Gütesiegel: Taxonomiekonforme Projekte profitieren von gezielten Anreizen und spürbaren Vorteilen am Kapitalmarkt, insbesondere wenn das Umweltziel 4 („Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft“) und die DNSH-Kriterien konsequent eingehalten werden.
Peter Stellnberger (Raiffeisen Bank) beleuchtete die Anforderungen klassischer Immobilienfinanzierer. Banken lenken Finanzströme zunehmend in nachhaltige Bestands- und Neubauprojekte, da zirkuläre und energieeffiziente Gebäude einen stabileren Cashflow und langfristigen Werterhalt garantieren. Umgekehrt drohen bei nicht nachhaltigen Bestandsimmobilien zunehmend Wertabschläge („Brown Discount“).
Simon Pumberger (aws – Austria Wirtschaftsservice) zeigte auf, wie öffentliche Förder- und Finanzierungsinstrumente wie Garantien, Kredite und Eigenkapital gezielt Risiken reduzieren. Ein erfolgreiches Praxisbeispiel ist das Start-up TRIQBRIQ, das mit wiederverwendbaren, modularen Holzbausteinen den Markteintritt in Österreich durch Unterstützung der aws realisieren konnte.
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